Hand aufs Herz: Manchmal hat man einfach keine Lust auf diese riesigen Freizeitfabrik-Zoos. Wissen Sie, was ich meine? Diese gigantischen Parks, wo man am Ende des Tages 15 Kilometer auf der Uhr hat, die Kinder nur noch quengeln, weil die Beine wehtun, und das Portemonnaie sich seltsam leicht anfühlt, weil der Eintritt fast so viel gekostet hat wie ein Kurzurlaub.
Genau deshalb lieben wir hier im Hotel Till-Moyland den Tiergarten Kleve. Er ist sozusagen unser „Haus- und Hof-Zoo“ hier am Niederrhein. Es ist kein Ort der Superlative, wo alles „das Größte“ oder „das Teuerste“ sein muss. Es ist ehrlich, bodenständig und – das sage ich jetzt mal ganz subjektiv – einer der entspanntesten Orte, um mit der Familie einen Nachmittag zu verbringen.
Wenn Sie bei uns in Bedburg-Hau übernachten, sind es mit dem Auto vielleicht 10, maximal 15 Minuten Fahrt. Ein Katzensprung. Wir schicken unsere Gäste oft dorthin, gerade wenn kleine Kinder dabei sind. Warum? Weil die Wege machbar sind. Aber dazu gleich mehr.
Der erste Eindruck: Kleve hat Charme
Der Tiergarten liegt ein bisschen versteckt in der Nähe des Forstgartens und des Amphitheaters. Wenn man ankommt, merkt man sofort: Hier ticken die Uhren etwas langsamer. Es ist alles sehr grün, sehr „parkig“. Der Tiergarten ist nicht neu aus dem Boden gestampft, er hat Geschichte. Das spürt man an den alten Bäumen und der ganzen Anlage.
Lassen Sie uns mal über das reden, was die meisten Eltern sofort wissen wollen: Lohnt sich das für den Preis? Absolut. Im Vergleich zu den großen Nachbarn in Duisburg oder Arnhem zahlt man hier einen Bruchteil. Das nimmt schon mal den Druck raus, „alles sehen zu müssen“, damit sich das Ticket rentiert.
Die heimlichen Stars: Seehunde und ihre Show
Kommen wir direkt zum Highlight. Wenn Sie den Plan machen, schauen Sie vorher auf die Fütterungszeiten. Meistens ist das um 11:00 Uhr und um 16:00 Uhr (bitte nageln Sie mich nicht fest, das kann sich saisonal ändern, also lieber am Eingang auf die Tafel gucken).
Die Seehundanlage ist für einen Tiergarten dieser Größe überraschend toll. Es ist nicht so eine sterile Glasarena, sondern man steht quasi direkt am Beckenrand. Wenn die Tierpfleger mit den Eimern voller Fisch kommen, wird es laut. Und nass. Kleiner Tipp aus Erfahrung: Wenn Sie die neue Kamera oder eine empfindliche Bluse anhaben, stellen Sie sich nicht in die allererste Reihe. Die Seehunde klatschen gerne mal mit den Flossen aufs Wasser, um Aufmerksamkeit (und Heringe) zu bekommen. Die Kinder finden das Kreischen und Plantschen natürlich großartig.
Es ist diese Nähe, die Kleve ausmacht. Man braucht kein Fernglas.
Nicht nur gucken, auch anfassen
Für Stadtkinder ist der Streichelzoo oft spannender als der exotischste Tiger hinter Panzerglas. In Kleve gibt es diesen Bereich, wo es wirklich zur Sache geht. Ziegen und Schafe. Und die wissen ganz genau, wo das Futter herkommt.
An der Kasse oder an Automaten können Sie diese kleinen Futterpäckchen ziehen. Seien Sie gewarnt: Sobald das Papier raschelt, haben Sie zwanzig neue beste Freunde. Ich habe schon gestandene Männer gesehen, die vor einer besonders aufdringlichen Ziege rückwärtsgewichen sind. Aber genau das ist ja das Erlebnis. Es riecht nach Tier, es ist echtes Fell, es ist Kontakt. Achten Sie nur darauf, dass die Kinder die flache Hand nehmen, Ziegen sind gierig, aber eigentlich harmlos.
Weitere tierische Mitbewohner
Der Tiergarten hat sich in den letzten Jahren gemausert. Früher war es vielleicht etwas „altbacken“, aber heute? Da gibt es Rote Pandas (die ich persönlich fast nie sehe, weil sie sich immer oben in den Bäumen verstecken und schlafen – Faulpelze!), Erdmännchen, die immer für einen Lacher gut sind, wenn sie wie kleine Wächter auf ihrem Hügel stehen, und sogar Trampeltiere.
Interessant ist auch, wie der Park strukturiert ist. Man läuft quasi eine Runde. Man kann sich kaum verlaufen.
Spielplätze: Die Rettungsinsel für Eltern
Sind wir ehrlich: Manchmal wollen die Kinder gar keine Tiere mehr sehen, sondern sich einfach nur austoben. Der Tiergarten Kleve hat das verstanden. Es gibt einen wirklich großen, gut angelegten Spielplatzbereich.
Das Herzstück ist das „Polarium“ – eine ziemlich coole Kletterlandschaft. Während der Nachwuchs versucht, den Geschwindigkeitsrekord auf der Rutsche zu brechen, können Mama und Papa sich auf eine der Bänke setzen. Das ist für mich immer der Moment zum Durchatmen. Hier trifft man auch oft Einheimische, man kommt ins Gespräch. „Kommense auch aus der Gegend?“ – so läuft das hier am Niederrhein.
Essen und Trinken: Bodenständig wie der Rest
Erwarten Sie keine Haute Cuisine. Das würde auch gar nicht hierher passen. Es gibt einen Imbiss, der das klassische Programm abspult: Pommes, Bratwurst, Eis, Kaffee, Kaltgetränke. Die Preise sind fair. Eine „Pommes Schranke“ (Rot-Weiß) gehört für mich zum Zoobesuch dazu wie der Geruch von Tierfutter.
Aber – und das ist das Schöne – niemand guckt Sie schief an, wenn Sie den Rucksack voller Stullen, Apfelschnitze und Wasserflaschen haben. Es gibt genug Picknickbänke. Viele Familien aus der Region machen genau das: Eintritt zahlen, eigenen Proviant essen, und am Ende vielleicht noch ein Eis als Belohnung für alle kaufen.
Praktische Tipps für Ihren Besuch
Ich möchte Ihnen ein paar Dinge mitgeben, die nicht unbedingt im offiziellen Flyer stehen, die man aber merkt, wenn man mal da war:
- Beachten Sie das Gelände. Der Tiergarten liegt teilweise am Hang. Es geht an manchen Stellen durchaus bergauf und bergab. Mit einem normalen Kinderwagen ist das machbar, aber man muss schon mal ein bisschen schieben. Wenn Sie Rollstuhlfahrer dabei haben, schauen Sie sich vorher den Plan an oder fragen Sie an der Kasse nach der besten Route, um die steilsten Stücke zu umgehen.
- Parken ist normalerweise stressfrei. Es gibt Parkplätze direkt am Eingang an der Tiergartenstraße. Wenn da mal alles voll ist (zum Beispiel an einem sonnigen Sonntag im Mai), kann man oft auf die Flächen am nahen Stadion oder Amphitheater ausweichen. Man muss dann nur ein paar Meter durch den schönen Park laufen.
- China Lights. Wenn Sie im Winter bei uns im Hotel Till-Moyland sind, fragen Sie an der Rezeption, ob „China Lights“ gerade läuft. Das ist ein Event, bei dem der ganze Zoo abends mit riesigen, leuchtenden Figuren aus chinesischer Seide dekoriert ist. Das sieht magisch aus und ist gerade in der dunklen Jahreszeit ein echtes Erlebnis, auch für Erwachsene.
- Hunde sind erlaubt. Ein riesiger Pluspunkt für viele unserer Hotelgäste. Ja, Sie können Ihren Hund mitnehmen, er muss nur an der kurzen Leine bleiben. Das kostet einen kleinen Obolus (ich glaube, zuletzt waren es 2 Euro oder so), aber dafür muss der Vierbeiner nicht im Hotelzimmer oder im Auto warten.
Die perfekte Kombination: Zoo und Entspannung
Warum erzähle ich Ihnen das alles so detailliert? Weil wir oft Gäste haben, die fragen: „Was machen wir denn heute mit den Kurzen?“
Meine Empfehlung sieht fast immer so aus:
Starten Sie entspannt bei uns im Hotel mit einem gemütlichen Frühstück. Keine Hektik. Dann fahren Sie rüber nach Kleve. Seien Sie so gegen 10:30 Uhr da. Dann haben Sie Zeit, reinzukommen, die erste Runde zu drehen und pünktlich bei den Seehunden zu stehen.
Mittags ein kleines Picknick im Zoo. Danach Zeit für den Spielplatz, damit die Kinder wirklich „alle“ sind (Sie wissen schon, dieses angenehme „Ich falle gleich ins Bett“-Müde).
Und dann kommen Sie zurück zu uns nach Bedburg-Hau. Wir liegen ja quasi auf dem Rückweg, wenn Sie in der Gegend Ihr „Basislager“ aufgeschlagen haben. Bei uns können Sie dann den Abend ausklingen lassen. Wenn die Kinder schlafen oder noch friedlich malen, gönnen Sie sich vielleicht noch einen Drink oder nutzen – je nach Verfügbarkeit – unsere Wellness-Optionen, um die Füße hochzulegen. Zoobesuche gehen nämlich in die Waden, auch wenn der Park klein ist.
Ein Wort zur Jahreszeit
Viele denken, Zoo ist nur was für den Sommer. Finde ich gar nicht. Im Hochsommer liegen die Tiere oft nur platt im Schatten rum – wer kann es ihnen verdenken? Im Frühling und Herbst sind sie oft viel aktiver. Selbst im Winter hat der Tiergarten Kleve seinen Reiz. Es ist leerer, ruhiger. Die Luft ist klar. Man zieht sich dick an, läuft eine Stunde durch, guckt den Trampeltieren beim Dampf-Ausatmen zu und freut sich danach umso mehr auf die warme Heizung im Hotelzimmer oder ein heißes Essen in unserem Restaurant.
Lohnt sich die Anfahrt?
Wenn Sie aus dem Ruhrgebiet oder vom weiteren Niederrhein kommen, ist Kleve ein tolles Tagesziel. Es lässt sich auch super verbinden. Vielleicht morgens Schloss Moyland (das ist ja direkt bei uns um die Ecke) für die Kultur und die Architektur, und nachmittags der Tiergarten für den Spaßfaktor. Das Schloss ist zwar wunderschön, aber für Kinder manchmal etwas trocken – der Tiergarten ist dann der perfekte Ausgleich.
Der Tiergarten Kleve wird nie Disneyland werden. Und Gott sei Dank ist das so. Er ist ein Stück Heimat, ein Stück Natur und ein Ort, an dem man sich nicht verausgaben muss, um Spaß zu haben. Er ist überschaubar, freundlich und fair im Preis.
Also, packen Sie feste Schuhe ein, vergessen Sie das Kleingeld für die Futterautomaten nicht und grüßen Sie die Erdmännchen von uns. Wir sehen uns dann später wieder im Hotel Till-Moyland.

