Es begann nicht mit einem Wellness-Bereich

Wer heute durch die Türen des Hotel Till-Moyland in Bedburg-Hau geht, sieht polierte Oberflächen, riecht vielleicht den Kaffee aus dem Restaurant oder hört das leise Stimmengewirr einer Tagungsgruppe. Aber Geschichte – echte Geschichte – riecht anders. Sie riecht nach feuchter Erde, nach alten Ziegelsteinen und nach dem Nebel, der hier am Niederrhein morgens über die Felder kriecht.

Um dieses Haus zu verstehen, muss man erstmal vergessen, was heute in Reisebroschüren steht. Vergessen Sie die Sterne-Bewertung für einen Moment. Wir müssen zurückschauen. Weit zurück. Denn bevor hier irgendjemand an „Wellness“ oder „Konferenzräume“ dachte, war diese Gegend vor allem eines: Strategisch wichtig und verdammt nass.

Der Schatten des Schlosses und der Name „Till“

Man kann die Geschichte dieses Ortes nicht erzählen, ohne den großen Nachbarn zu erwähnen: Schloss Moyland. Das Ding steht da nicht nur zur Zierde. Seit Jahrhunderten prägt es die Landschaft und die Menschen hier. Der Name „Moyland“ leitet sich wohl vom niederländischen „Moiland“ ab – schönes Land. Klingt romantisch, oder? Aber fragen Sie mal die Bauern von damals. Für die war es harte Arbeit im morastigen Boden.

Der Ortsteil Till, der uns den ersten Teil unseres Namens gibt, ist alt. Richtig alt. Wir reden hier vom 13. Jahrhundert. Damals war Gastfreundschaft kein Geschäftsmodell, sondern oft eine Notwendigkeit. Reisende, Händler, manchmal auch Soldaten, die durch den Niederrhein zogen, brauchten einen Ort, der trocken war. Das ist die DNA, aus der wir kommen. Es ging nicht um Luxus. Es ging um eine warme Suppe und ein Dach, das hält.

Ich erinnere mich an Erzählungen von Alten aus dem Dorf, die sagten, dass die Verbindung zwischen dem Schloss und den umliegenden Höfen und Gasthäusern immer eng war. Wenn oben im Schloss „hoher Besuch“ war – und wir wissen, dass Friedrich der Große und Voltaire sich dort trafen – dann profitierte das ganze Umland. Auch wenn Voltaire sich wohl ständig über seine Gesundheit beklagte. Hätte es damals schon unseren Wellnessbereich gegeben, wäre der Mann vielleicht entspannter gewesen. Wer weiß.

Vom Dorfkrug zum Hotel: Ein harter Weg

Die Transformation zu dem Hotel Till-Moyland, wie es heute steht, passierte nicht über Nacht. Es gab keinen großen Knall, bei dem plötzlich ein rotes Band durchschnitten wurde. Es war eher ein langsames Wachsen, Schicht für Schicht, wie bei einer Zwiebel.

In den Nachkriegsjahren sah Tourismus am Niederrhein anders aus. Da kamen die Leute, um Verwandte zu besuchen oder Geschäfte zu machen. Die Ansprüche waren simpel: Sauber musste es sein, und das Essen deftig. Unser Haus hat sich diesen Wurzeln nie ganz entzogen. Auch als wir anfingen, die Zimmer und Suiten zu modernisieren, haben wir darauf geachtet, den Charakter nicht totzusanieren. Es gibt Hotels, die wirken wie Raumschiffe – steril und überall auf der Welt gleich. Das wollten wir nie. Wenn bei uns der Boden an einer Stelle mal leise knarrt, dann erzählt er eine Geschichte.

Das Wachstum brachte natürlich Herausforderungen. Ein Restaurant zu führen, das sowohl den Bauarbeiter zum Mittagstisch als auch das Feinschmecker-Paar am Abend glücklich macht, ist ein Spagat. Ehrlich gesagt, geht das oft schief. Aber wir haben gelernt, dass Ehrlichkeit auf dem Teller am besten schmeckt. Keine Molekularküche, die keiner versteht, sondern Produkte aus der Region, die satt und glücklich machen. Wer unser Restaurant besucht, merkt schnell: Hier kocht jemand, der den Niederrhein mag.

Die Ära der Krawatten und Brautkleider

Irgendwann in den letzten Jahrzehnten kippte die Stimmung. Plötzlich reichte „Übernachtung mit Frühstück“ nicht mehr. Die Welt wurde schneller, und die Leute suchten Orte, an denen sie entweder sehr effizient arbeiten oder sehr ausgiebig feiern konnten. Oft beides im Wechsel.

Wir mussten uns anpassen. Ich sage das ganz offen: Der Bau von Tagungskapazitäten war ein Risiko. Bedburg-Hau ist nicht Berlin-Mitte. Warum sollten Firmen hierherkommen? Die Antwort war simpel: Ruhe. Wenn Sie eine Strategietagung machen, wollen Sie nicht beim Blick aus dem Fenster von Leuchtreklamen abgelenkt werden. Sie wollen Weite. Und genau das boten wir an. Unsere Räume für Konferenzen und Seminare haben schon mehr hitzige Debatten erlebt als so manches Parlament, aber am Abend, an der Bar, haben sich die Wogen meist geglättet.

Und dann die Hochzeiten. Ach, die Hochzeiten.

  • Da war dieses eine Paar, das unbedingt im tiefsten Winter heiraten wollte. Draußen minus fünf Grad, drinnen kochte die Stimmung. Hochzeiten bei uns sind speziell, weil wir den Platz haben, den man in der Stadt oft vergeblich sucht.
  • Es ist schon vorgekommen, dass die Tagungsgäste vom Nachmittag abends noch mit der Hochzeitsgesellschaft anstießen. Das ist diese niederrheinische Ungezwungenheit. Man fremdelt nicht lange.
  • Die Logistik dahinter sieht keiner. Wenn wir ein Bankett für 100 Leute ausrichten, ist das wie ein militärisches Manöver, nur mit besserem Essen und freundlicheren Gesichtern.

Mehr als nur Bettenburgen: Der Wohlfühlfaktor

Der letzte große Schritt in unserer Geschichte war die Erkenntnis, dass der moderne Mensch gestresst ist. Dauergestresst. Früher gingen die Leute spazieren, um runterzukommen. Heute brauchen sie Saunen, Fitnessgeräte und Ruheräume. Den Bau der Fitness- und Wellnesseinrichtungen haben einige hier im Ort erst skeptisch beäugt. „Braucht man das?“, fragten die. „Geht doch in den Wald.“

Doch die Gäste gaben uns recht. Es ist ein Unterschied, ob man einfach nur schläft oder ob man sich erholt. Unser Wellness- und Fitnessbereich ist heute kein nettes Extra mehr, sondern für viele der Hauptgrund, überhaupt zu buchen. Vor allem die Wochenendgäste aus dem Ruhrgebiet – die flüchten förmlich hierher, um mal zwei Tage keine Sirenen zu hören.

Ein Haus im Wandel

Wenn ich heute auf das Hotel Till-Moyland schaue, sehe ich nicht nur Steine und Mörtel. Ich sehe die Entscheidungen, die getroffen wurden. Gute und schlechte. Ich sehe die Ferienwohnungen, die wir eingerichtet haben, weil Familien mehr Platz brauchten als der Standard-Geschäftsreisende. Ich sehe das Lachen auf der Terrasse im Sommer.

Wir sind kein Museum, auch wenn wir in der Nähe eines solchen liegen. Wir sind ein lebender Organismus. Die Geschichte dieses Hauses wird jeden Tag weitergeschrieben – von der Rezeptionistin, die einem Gast den Weg erklärt, vom Koch, der die Sauce abschmeckt, und von Ihnen, wenn Sie uns besuchen.

Das ist Till-Moyland. Ein bisschen Geschichte, viel Gegenwart und immer ein offenes Ohr für den Gast. So machen wir das hier am Niederrhein.