Hand aufs Herz: Wenn Sie an den Niederrhein denken, haben Sie wahrscheinlich vor allem flaches Land, Kühe und vielleicht noch Fahrradwege im Kopf. Das ist nicht falsch. Aber es ist eben längst nicht die ganze Geschichte. Wir hier in Bedburg-Hau sitzen auf einem kulturellen Schatz, der oft übersehen wird, weil er nicht so laut schreit wie die Metropolen an Rhein und Ruhr.

Als jemand, der hier jeden Tag zur Arbeit kommt und die Gäste im Hotel Till-Moyland empfängt, habe ich über die Jahre meine ganz eigene Karte im Kopf gezeichnet. Da sind die offensichtlichen Highlights, klar, aber auch Ecken, an denen man sonst vorbeifährt. Ich möchte Sie hier nicht mit Jahreszahlen aus dem Geschichtsbuch langweilen – dafür gibt es Wikipedia. Ich erzähle Ihnen lieber, wo der Kaffee schmeckt, wo Sie den besten Blick über die Landschaft haben und warum ein Atomkraftwerk heute der lustigste Ort der Region ist.

Unser großer Nachbar: Schloss Moyland

Man kann nicht über Bedburg-Hau sprechen, ohne Moyland zu erwähnen. Es liegt ja quasi in unserem Vorgarten. Viele Gäste buchen bei uns, nur um eines unserer Arrangements zu nutzen, die den Schlossbesuch beinhalten. Aber Vorsicht: Moyland ist kein 08/15-Dornröschenschloss.

Sicher, von außen sieht es mit den neogotischen Zinnen und dem Wassergraben absolut märchenhaft aus. Perfekt für Fotos. Aber drinnen? Da wartet Joseph Beuys auf Sie. Das Museum beherbergt den weltweit größten Bestand an Werken dieses Künstlers.

Hier scheiden sich oft die Geister, und das finde ich herrlich zu beobachten. Die einen stehen ehrfürchtig vor den Filz- und Fett-Installationen, die anderen kommen zurück ins Hotel und fragen beim Abendessen in unserem Restaurant etwas ungläubig: „Ist das wirklich Kunst?“ Meine Meinung: Gehen Sie rein. Man muss Beuys nicht lieben, um von der Atmosphäre des Schlosses beeindruckt zu sein.

Wenn moderne Kunst so gar nicht Ihr Ding ist, bleiben Sie einfach draußen im Park. Der Kräutergarten ist eine Wucht – einer der größten in der Region. Riechen Sie mal an den verschiedenen Minzsorten, das macht den Kopf frei. Und wenn Sie im Winter kommen: Der Kunsthandwerker-Weihnachtsmarkt dort ist wahrscheinlich der schönste am ganzen Niederrhein. Da stehe selbst ich gerne für einen Glühwein an.

Kalkar: Pommes statt Plutonium

Das hier glaubt einem niemand, der nicht aus der Gegend kommt. Ein paar Kilometer weiter in Kalkar steht der „Schnelle Brüter“. Das war in den 70ern und 80ern das wohl umstrittenste Bauprojekt Deutschlands. Milliarden D-Mark wurden versenkt, massive Proteste, Polizei, Wasserwerfer – das volle Programm. Es ging nie ans Netz. Keine einzige Kilowattstunde Strom wurde da produziert.

Und heute? Heute kreischen da Kinder vor Vergnügen. Das Gelände ist jetzt das „Wunderland Kalkar“. Ein Freizeitpark. Das Kettenkarussell im Inneren des riesigen Kühlturms ist so eine Sache, die man mal gemacht haben muss. Die Wände sind innen bunt bemalt, und das Echo da drinnen ist irre.

Was Eltern meistens überzeugt: Das „All-inklusive“-Prinzip. Sie zahlen Eintritt, und drinnen sind Pommes, Eis und Getränke umsonst. So viel man will. Das kann bei Teenagern zwar zu leichten Bauchschmerzen führen, schont aber den Geldbeutel der Eltern massiv. Für Familien, die bei uns in den Ferienwohnungen oder Familienzimmern unterkommen, ist das meistens der Tagesausflug Nummer eins.

Xanten: Wo die Römer baden gingen

Wenn Sie etwa 20 Minuten Auto fahren, landen Sie in einer anderen Zeit. Xanten und der Archäologische Park (APX) sind Pflichtprogramm. Aber machen Sie nicht den Fehler, das mal eben in zwei Stunden „abreißen“ zu wollen. Das Gelände ist riesig. Es ist die alte römische Stadt Colonia Ulpia Trajana.

Was den APX von staubigen Museen unterscheidet, ist die Größe und die Rekonstruktion.

  • Der Hafentempel ist so hoch wie ein modernes Wohnhaus. Wenn man davor steht, kapiert man erst, was die Römer bautechnisch draufhatten.
  • Im Amphitheater finden im Sommer Konzerte statt. Die Akustik ist auch ohne Technik erstaunlich. Setzen Sie sich mal ganz nach oben in die letzte Reihe und lassen Sie jemanden unten in der Arena sprechen. Man hört fast jedes Wort.
  • Die Römische Herberge serviert Essen nach alten Rezepten. Ja, das schmeckt anders als beim Italiener um die Ecke. Weniger Pizza, mehr Linsen und Kräuter. Probieren Sie die lucanischen Würstchen.

Direkt neben dem Park liegt die „Xantener Nord- und Südsee“. Nein, kein Salzwasser, aber zwei riesige Seen, die durch Kiesabbau entstanden sind. Im Sommer ist das Xantener Strandbad der Ort, wo man sich abkühlt. Es gibt auch ein Wasserskizentrum. Wenn Sie also nach einem Tag Kultur den Kopf abkühlen müssen: Badehose einpacken.

Kleve: Schwäne, Gärten und ein bisschen Shopping

Kleve ist die Kreisstadt und nur einen Katzensprung von unserem Hotel Till-Moyland entfernt. Das Wahrzeichen sehen Sie schon von weitem: die Schwanenburg. Sie thront oben auf dem Berg (einer der wenigen Hügel hier).

Ein kleiner Tipp für Aussichts-Jäger: Steigen Sie auf den Schwanenturm. Der Blick geht weit über die pottflache Landschaft bis in die Niederlande rein. An klaren Tagen sehen Sie fast bis Arnheim. Im Turm selbst gibt es ein kleines geologisches Museum, das ist ganz nett, aber der Ausblick ist der eigentliche Star.

Kleve hat außerdem diese wunderbaren barocken Gärten. Der Prinz Moritz von Nassau-Siegen hat die damals anlegen lassen, inspiriert von Versailles, aber eben auf niederrheinisch. Das Amphitheater in den Gärten ist terassenförmig angelegt, mit Blick auf Wasserachsen. Perfekt für einen Spaziergang nach dem Frühstück, bevor Sie vielleicht die Einkaufsstraße in der Oberstadt unsicher machen. Es ist keine Düsseldorfer Kö, aber man findet nette Boutiquen und gute Cafés.

Für Familien mit kleineren Kindern empfehle ich den Tiergarten Kleve. Er ist nicht so riesig und überlaufen wie die großen Zoos im Ruhrgebiet. Man kommt nah an die Tiere ran, es ist überschaubar und sehr grün. Die Seehunde und die Roten Pandas sind die Publikumslieblinge.

Radfahren: Ohne Gangschaltung glücklich werden

Ich habe es eingangs schon gesagt: Es ist flach hier. Das macht den Niederrhein zum absoluten Fahrrad-Paradies. Sie brauchen hier keine Mountainbike-Waden und auch keinen E-Motor (obwohl wir natürlich Lademöglichkeiten haben, falls Sie mit dem E-Bike anreisen).

Zwei Routen lege ich unseren Gästen immer ans Herz:

  • Die Via Romana: Die führt eigentlich von Xanten bis Nijmegen in den Niederlanden. Sie müssen ja nicht die ganze Strecke fahren. Aber das Teilstück von uns aus Richtung Kalkar oder Kranenburg ist wunderschön. Viel Feld, alte Bauernhöfe, Kopfweiden.
  • Die Deichroute: Fahren Sie Richtung Rhein. Auf dem Deich zu radeln, wenn einem der Wind um die Nase weht und die Binnenschiffe langsam vorbeiziehen, das hat etwas Meditatives. Man kommt runter. Zwangsläufig.

Falls Sie kein eigenes Rad dabei haben: Wir organisieren oft Leihräder für unsere Gäste oder geben Tipps, wo der nächste Verleih ist. Fragen Sie einfach an der Rezeption. Nichts ist ärgerlicher als ein platter Reifen und kein Werkzeug – wir helfen da gerne aus.

Golfen: Abschlag neben dem Schloss

Direkt an unser Areal grenzt der Land-Golf-Club Schloss Moyland. Für Golfer ist das ein Traum: Man spielt quasi im Schatten des Schlosses. Der Platz ist anspruchsvoll, aber fair. Viele Bäume, einige Wasserhindernisse, aber eben keine mörderischen Steigungen.

Viele unserer Gäste nutzen die Kombination: Vormittags eine Runde Golf, nachmittags Wellness bei uns oder ein Steak im Restaurant. Wir sind auf Golfer eingestellt – das heißt, wir schauen nicht komisch, wenn Sie mit Poloshirt und Handschuh an der Bar stehen. Es gehört hier einfach dazu.

Ein Wort zu den Niederlanden

Wir sind hier im Grenzgebiet. Nijmegen ist keine halbe Stunde weg. Wenn Sie also Lust auf „echtes“ Holland-Feeling haben – Markt, Kibbeling essen, diese typischen schmalen Backsteinhäuser – dann fahren Sie rüber. Nijmegen ist die älteste Stadt der Niederlande und hat eine tolle Vibe. Viel junges Studentenvolk, lebendige Kneipen am Waalkade-Ufer und tolle Shopping-Möglichkeiten.

Ein Geheimtipp für Naturliebhaber auf der niederländischen Seite: Die „Millinger Waard“. Ein Naturschutzgebiet im Flussdelta. Man kommt da nur zu Fuß oder mit dem Rad hin (und am Ende mit einer kleinen Fähre). Dort laufen wilde Konik-Pferde und Galloway-Rinder frei herum. Es gibt einen Teegarten mitten in der Wildnis, der wie eine Oase wirkt. Das ist Entschleunigung pur.

Wie wir den Tag hier ausklingen lassen

Nach so viel Action – sei es nun der Kulturmarsch durch Xanten, die Achterbahnfahrt in Kalkar oder die 18 Löcher in Moyland – kehren die meisten gerne „nach Hause“ zurück. Bedburg-Hau ist abends ruhig. Und das ist auch gut so.

Wir sehen oft, wie sich Gruppen, die tagsüber bei einer Tagung saßen, abends mit den Urlaubsgästen mischen. Man sitzt auf der Terrasse oder im Kaminzimmer, trinkt ein lokales Bier (ja, hier trinkt man Alt oder Pilz, beides geht) und plant den nächsten Tag.

Mein persönlicher Rat für Ihren Aufenthalt: Packen Sie den Tag nicht zu voll. Der Niederrhein funktioniert am besten, wenn man Tempo rausnimmt. Suchen Sie sich für den Vormittag ein Ziel aus – vielleicht das Töpfermuseum in Goch oder einfach einen Spaziergang durch den Reichswald (der größte zusammenhängende Wald in NRW, übrigens) – und lassen Sie den Nachmittag offen. Meistens entdeckt man die besten Hofcafés oder den schönsten Blick auf den Rhein zufällig, wenn man sich ein bisschen verfahren hat.

Wir helfen Ihnen an der Rezeption jederzeit mit Kartenmaterial oder dem aktuellen Wetterbericht (wobei der hier oft „wechselhaft mit Aussicht auf Wind“ lautet). Kommen Sie einfach vorbei. Wir kennen die Ecke hier. Und wir teilen sie gerne mit Ihnen.