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Ein Tag im Museum Schloss Moyland: Kunst und Geschichte am Niederrhein

Wer glaubt, der Niederrhein bestehe nur aus plattem Land, Kopfweiden und gelegentlichen Kühen, der hat Schloss Moyland noch nicht gesehen. Ganz ehrlich: Als ich das erste Mal vor diesem trutzigen Backsteinbau stand, musste ich eher an Harry Potter oder ein englisches Landhaus der Tudors denken als an Bedburg-Hau. Es ist dieser Moment, wenn man den langen Zufahrtsweg hinunterfährt und plötzlich die vier Zinnen-türme durch die Baumwipfel stechen.

Wir hier im Hotel Till-Moyland kennen das Schloss natürlich wie unsere Westentasche. Es ist quasi unser „großer Nachbar“. Aber selbst nach hunderten Besuchen – sei es privat oder mit Gästen, die wir dort zum Weihnachtsmarkt hinschicken – entdeckt man immer wieder eine Ecke, die man vorher übersehen hat. Es ist nicht einfach nur ein Museum. Es ist ein Erlebnis, das Kunst, Geschichte und Natur so wild mischt, dass einem am Ende des Tages der Kopf schwirrt. Im positiven Sinne.

Lassen Sie uns diesen Tag mal gemeinsam durchgehen. Kein trockener Reiseführer-Sprech, sondern so, wie es wirklich ist.

Der erste Eindruck: Backsteingotik trifft Moderne Seele

Das Gebäude selbst ist ein Hingucker, keine Frage. Aber die Geschichte dahinter ist wilder, als die Fassade vermuten lässt. Ursprünglich eine Wasserburg aus dem Mittelalter, hat Friedrich der Große hier schon mit Voltaire philosophiert (und sich vermutlich über dessen Launen geärgert). Was Sie heute sehen, ist aber vor allem das Werk des 19. Jahrhunderts. Der Kölner Dombaumeister Zwirner hatte hier seine Finger im Spiel, und das sieht man. Es ist diese romantische Vorstellung vom Mittelalter, nicht das echte, dunkle Mittelalter.

Nach dem Krieg war das Ding eine Ruine. Dass es heute so da steht, verdanken wir einer privaten Initiative und den Brüdern van der Grinten. Die haben nicht locker gelassen. Wenn Sie durch das Torhaus gehen, achten Sie mal auf die Details im Mauerwerk. Man sieht die Narben der Geschichte, die nicht übertüncht, sondern integriert wurden.

Joseph Beuys: Der Elefant im Raum

Okay, Themawechsel. Wir müssen über Beuys reden. Man kann nicht über Moyland sprechen und Joseph Beuys ignorieren. Das ist so, als würde man ins Brauhaus gehen und ein Wasser bestellen. Moyland beherbergt den weltweit größten Bestand an Werken von Joseph Beuys. Und hier scheiden sich die Geister – oft schon beim Ticketkauf.

Viele unserer Gäste kommen zurück ins Hotel und sagen: „Ich hab’s nicht verstanden.“ Und das ist völlig okay. Beuys ist keine leichte Kost. Er ist sperrig. Er provoziert.

Aber hier ist der Trick für Moyland: Versuchen Sie nicht krampfhaft, den tieferen Sinn in jeder Fett-Ecke zu finden. Schauen Sie sich stattdessen die Zeichnungen an. Tausende davon. Die Brüder van der Grinten haben alles gesammelt, was Beuys zu Papier gebracht hat, lange bevor er ein Weltstar war. Man sieht frühe Skizzen, die fast klassisch wirken, und dann den Übergang zu dem, was ihn berühmt gemacht hat. Es ist intim. Man fühlt sich fast wie ein Voyeur, der in das Skizzenbuch eines Genies (oder Wahnsinnigen, je nach Sichtweise) linst.

Die Art und Weise, wie die Kunst hier präsentiert wird, ist übrigens auch speziell. Dichte Hängung. Bilder über Bilder, Reihe an Reihe. Das widerspricht allem, was man aus modernen „White Cube“ Galerien kennt, wo ein Bild an einer zehn Meter langen weißen Wand hängt. Hier wird man von Kunst umarmt – oder erdrückt. Probieren Sie es aus.

Mehr als nur Fett und Filz: Die Sammlung van der Grinten

Es wäre ungerecht, Moyland nur auf Beuys zu reduzieren. Die Sammlung umfasst viel mehr. Hans van der Grinten und sein Bruder Franz Joseph waren Besessene im besten Sinne. Sie haben gesammelt, was sie berührt hat. Das reicht von alter Grafik bis zu angewandter Kunst des Jugendstils.

Oft finden Sie hier Sonderausstellungen, die einen völlig anderen Ton anschlagen. Mal ist es zeitgenössische Fotografie, mal regionale Kunstgeschichte. Ein persönlicher Tipp von mir: Achten Sie auf die Ausstellungen im Kabinett. Die sind kleiner, überschaubarer und oft kuratorische Perlen, bei denen man nicht schon nach zehn Minuten „museumsmüde“ Beine bekommt.

Raus an die Luft: Der Skulpturenpark

Wenn Ihnen drinnen der Kopf raucht, gehen Sie raus. Der Park ist für viele das eigentliche Highlight, besonders wenn das Wetter am Niederrhein mal mitspielt (was öfter passiert, als man denkt!). Es ist nicht so ein penibel frisierter Barockgarten, wo man Angst hat, auf den Rasen zu treten. Es ist eine Mischung aus Landschaftsgarten und Freilichtmuseum.

Was den Park besonders macht, ist das Zusammenspiel der Jahreszeiten mit der Kunst:

  • Im Sommer explodieren die Hortensien. Moyland hat eine der größten Hortensiensammlungen in Deutschland. Das sind nicht nur die klassischen blauen Bauernhortensien, sondern Sorten, von denen Sie wahrscheinlich noch nie gehört haben. Riesige Blütenbälle in allen Farben.
  • Die Skulpturen rosten, verändern sich, setzen Moos an. Eduardo Chillida oder James Lee Byars stehen hier einfach so rum, zwischen alten Eichen und Buchen. Man stolpert fast über Kunst.
  • Das Kräutergarten-Areal ist ein Fest für die Nase. Wenn Sie bei uns im Hotelrestaurant essen, wissen Sie frische Zutaten zu schätzen – hier sehen Sie, wo die Inspiration herkommt. Es riecht nach Salbei, Thymian und alter Erde.

Ich laufe oft einfach nur eine Runde um den Schlossgraben. Das Wasser reflektiert die roten Ziegel, ein paar Enten machen Lärm, und die Welt ist für einen Moment in Ordnung. Man kann hier wunderbar „runterkommen“.

Praktisches für Ihren Besuch

Damit der Ausflug kein Reinfall wird, hier ein paar Dinge, die nicht im Hochglanz-Prospekt stehen, aber wichtig sind:

Die Sache mit der Verpflegung

Es gibt ein Museumscafé. Der Kuchen ist gut, oft gibt es saisonale Angebote. Aber seien wir ehrlich: An Wochenenden, besonders wenn das Wetter gut ist oder der berühmte Kunsthandwerker-Weihnachtsmarkt stattfindet, kann es voll werden. Richtig voll. Da steht man dann schon mal für den Cappuccino an.

Viele unserer Gäste machen es so: Sie schauen sich das Schloss an, spazieren durch den Park und kommen dann für das „richtige“ Essen zurück zu uns ins Hotel Till-Moyland. Wir sind ja quasi um die Ecke. Da können Sie in Ruhe sitzen, haben keinen Trubel und können den Tag bei einem guten Glas Wein Revue passieren lassen, ohne dass Ihnen jemand auf den Tisch starrt und auf Ihren Platz wartet.

Barrierefreiheit ist so eine Sache

Nennen wir das Kind beim Namen: Es ist ein altes Schloss. Es wurde viel getan, um Rampen und Aufzüge einzubauen, und das Museumspersonal ist unglaublich hilfsbereit – wirklich top. Aber das historische Kopfsteinpflaster im Außenbereich rüttelt einen Rollstuhl oder Kinderwagen schon ordentlich durch. Im Nordturm gibt es Bereiche, die schwieriger zu erreichen sind. Planen Sie einfach etwas mehr Zeit ein, wenn Sie nicht gut zu Fuß sind.

Der Turmaufstieg

Machen Sie es. Ja, es sind Stufen. Viele Stufen. Aber der Blick von oben über die niederrheinische Ebene ist das Brennen in den Waden wert. Man sieht bis nach Kleve, manchmal erahnt man den Rhein, und man begreift erst von oben, wie geometrisch die Gartenanlagen eigentlich angelegt sind.

Das Event-Highlight: Der Kunsthandwerker-Weihnachtsmarkt

Einmal im Jahr, meist im Dezember, dreht Moyland völlig durch – im positivsten Sinne. Der Weihnachtsmarkt ist legendär. Vergessen Sie den Kitsch aus China, den man auf vielen Stadtmärkten findet. Hier wird streng kuratiert. Wer hier einen Stand hat, muss sein Handwerk verstehen. Keramik, Filz, Holzarbeiten, Schmuck.

Unser Hotel ist zu dieser Zeit meistens früh ausgebucht, und das aus gutem Grund. Es gibt nichts Schöneres, als durchgefroren vom Markt zu kommen – mit dem Duft von Glühwein und gebrannten Mandeln in der Nase – und dann nur fünf Minuten später in der warmen Lobby oder im Wellnessbereich bei uns zu entspannen, statt sich noch eine Stunde ins Auto setzen zu müssen.

Warum Moyland und Hotel Till-Moyland zusammengehören

Ein Besuch im Museum Schloss Moyland ist selten eine Sache von einer Stunde. Es ist ein „Halbtages-Projekt“, wenn man es richtig machen will. Man lässt sich treiben, man diskutiert über Kunst, man läuft sich die Füße im Park platt.

Genau deshalb passt unser Haus so gut dazu. Wir sind nicht irgendein Hotel am Highway, wir sind teil dieser Region. Nach so viel geistigem Input (danke, Beuys!) und körperlicher Betätigung im Park sehnt man sich nach etwas Bodenständigem:

  • Füße hochlegen in Zimmern, die Ruhe ausstrahlen, statt Sie mit noch mehr Design-Eindrücken zu bombardieren.
  • Ein Abendessen, das auf regionale Küche setzt. Kein Chichi, sondern Qualität auf dem Teller.
  • Vielleicht noch eine Runde Sauna, um die Kälte aus den Knochen zu kriegen, wenn Sie im Herbst da waren.

Moyland ist ein Juwel am Niederrhein. Es ist eigenwillig, manchmal anstrengend, aber wunderschön. Genauso wie die Menschen hier. Wenn Sie Ihren Trip planen, fragen Sie uns an der Rezeption ruhig nach aktuellen Tipps – manchmal wissen wir, welche Ausstellung gerade besonders lohnt oder wann der Eintritt vielleicht sogar frei ist.

Wir sehen uns im Schloss – oder danach an der Bar.

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