Wenn Sie bei uns im Hotel Till-Moyland aus dem Fenster schauen oder kurz vor die Tür treten, spüren Sie diese seltsame, fast magnetische Anziehungskraft. Es sind nur ein paar Minuten rüber zum Schloss. Wir reden hier nicht von irgendeiner alten Burg, die mal eben hübsch renoviert wurde. Schloss Moyland ist… speziell. Im besten Sinne. Es ist dieser wuchtige Mix aus neugotischem Backstein-Wahnsinn und extrem moderner Kunst, der einen beim ersten Besuch oft völlig unvorbereitet trifft.
Vielleicht haben Sie schon die Fotos gesehen: vier Türme, Wassergraben, spitze Dächer. Sieht aus wie aus dem Märchenbuch, oder? Aber wenn Sie dann davor stehen, merken Sie schnell, dass hier Geschichte nicht nur konserviert, sondern ziemlich radikal neu interpretiert wurde. Als Ihre „Nachbarn“ kennen wir das Schloss in- und auswendig – nicht nur die offiziellen Öffnungszeiten, sondern auch die Ecken im Park, wo man wirklich seine Ruhe hat. Hier ist mein ehrlicher Blick auf das, was Sie drüben erwartet.
Mehr als nur „altes Gemäuer“: Ein Ritt durch die Geschichte
Man muss kein Historiker sein, um zu kapieren, dass Moyland einiges mitgemacht hat. Ursprünglich war das mal eine Wasserburg, klar, das war im Mittelalter so üblich hier am Niederrhein. Aber das, was Sie heute sehen, stammt größtenteils aus dem 19. Jahrhundert. Der Kölner Dombaumeister Ernst Friedrich Zwirner hat da seine Finger im Spiel gehabt. Wenn Sie sich die Architektur ansehen, erkennen Sie diese Detailverliebtheit, die man sonst nur an Kathedralen findet.
Aber hier wird es interessant – und das erzählen die Reiseprospekte oft viel zu glattgebügelt:
- Es gab diesen Moment im Jahr 1740, da trafen sich hier Preußenkönig Friedrich II. und der Philosoph Voltaire. Stellen Sie sich das vor: Zwei der schlausten Köpfe Europas sitzen in den kalten Räumen (Voltaire hat sich übrigens ständig über seine Gesundheit beschwert) und diskutieren über die Welt.
- Nach dem Zweiten Weltkrieg war hier Schicht im Schacht. Das Schloss war eine Ruine. Und zwar jahrzehntelang. Ich erinnere mich an Erzählungen von Einheimischen, die als Kinder in den Trümmern gespielt haben – was natürlich streng verboten war. Bäume wuchsen aus den Dächern. Es sah aus wie bei Dornröschen, nur dreckiger.
- Dass das Schloss heute wieder steht, ist der Familie van der Grinten zu verdanken. Die hatten nicht nur die Vision, das Gebäude zu retten, sondern brauchten auch einen Platz für ihre gigantische Sammlung.
- Die Renovierung in den 90ern war ein Kraftakt. Man hat bewusst nicht alles auf „neu“ poliert. Schauen Sie mal genau hin: Sie sehen Narben im Mauerwerk.
Joseph Beuys: Fett, Filz und die große Frage „Ist das Kunst?“
Jetzt müssen wir über den Elefanten im Raum sprechen. Oder besser gesagt: über den Hasen. Schloss Moyland ist weltweit bekannt als eines der wichtigsten Zentren für das Werk von Joseph Beuys. Und seien wir ehrlich: Beuys spaltet die Gemüter. Auch bei unseren Gästen an der Hotelbar höre ich abends oft die Diskussionen.
„Ich verstehe das nicht, das sieht aus wie Müll“, sagt der eine. „Das ist pure Energie und Gesellschaftskritik“, sagt der andere.
Wissen Sie was? Beide haben irgendwie recht. Die Brüder Hans und Franz Joseph van der Grinten waren eng mit Beuys befreundet, lange bevor er ein Weltstar mit Hut und Anglerweste war. Sie haben alles gesammelt. Und ich meine alles.
Wenn Sie durch die Ausstellung gehen, erwarten Sie keine netten Ölgemälde von Blumenvasen. Sie werden Zeichnungen sehen, die hastig auf Zetteln notiert wirken. Sie werden Materialien sehen, die in einem Schloss eigentlich nichts zu suchen haben. Es ist diese Reibung – die neugotische Architektur außen und die oft sperrige, revolutionäre Kunst innen – die Moyland so einzigartig macht.
Wie man die Sammlung überlebt (und genießt)
Lassen Sie sich nicht einschüchtern. Man muss nicht Studiertes haben, um das interessant zu finden. Mein Tipp: Versuchen Sie nicht, jedes einzelne Blatt zu analysieren. Lassen Sie es auf sich wirken wie Musik. Manche Dinge sind chaotisch, manche seltsam ruhig. Beuys wollte, dass wir über Gesellschaft nachdenken, nicht dass wir sagen „Oh, wie hübsch.“
Der Park: Wo Skulpturen im Gras lauern
Vielleicht ist Ihnen die Kunst im Inneren zu verkopft. Kann ich verstehen. Dann gehen Sie raus. Der Schlosspark ist, gerade für unsere Gäste, die Entspannung suchen, oft das eigentliche Highlight. Es ist eine historische Gartenanlage, aber auch hier wurde nicht alles mit der Nagelschere getrimmt.
Es gibt einen Skulpturenpark, der wirklich Spaß macht. Man spaziert durch alte Baumbestände – einige Eichen und Buchen haben Jahrhunderte auf dem Buckel – und plötzlich steht da ein Kunstwerk im Weg.
- Der Kräutergarten ist ein kleines Juwel. Je nach Jahreszeit riecht es dort intensiv nach Salbei, Minze oder Lavendel. Ein guter Ort, um nach dem Museumsbesuch den Kopf wieder freizubekommen.
- Im Sommer blühen die Hortensien. Das ist ein Farbspektakel, für das manche Leute extra anreisen. Es sind hunderte Pflanzen, blaue und rosafarbene Wolken.
- Sie können einmal komplett um die Wassergräben laufen. Dauert nicht lange, vielleicht 20 Minuten, aber der Blick auf das Schloss ändert sich alle paar Meter. Für Fotografen ist die Rückseite oft spannender als die Front, wegen der Lichtverhältnisse am Nachmittag.
Veranstaltungen, die Sie auf dem Schirm haben sollten
Moyland schläft nicht. Das ganze Jahr über ist da drüben was los. Der absolute Wahnsinn – im positiven Sinne – ist der Kunsthandwerker-Weihnachtsmarkt. Vergessen Sie die 08/15-Märkte in den Fußgängerzonen. Hier stehen die Buden vor der beleuchteten Schlosskulisse, es gibt echtes Handwerk, keine Plastikware aus Fernost.
Im Sommer gibt es oft das Kräutergartenfest. Sehr entspannt, sehr grün. Wenn Sie zu der Zeit eine unserer Ferienwohnungen gebucht haben, können Sie das Auto getrost stehen lassen und zu Fuß hingehen. Das spart Nerven bei der Parkplatzsuche, glauben Sie mir.
Praktische Tipps vom Nachbarn
Damit Ihr Besuch kein Reinfall wird, hier ein paar Dinge, die wir gelernt haben:
Montags ist zu. Klingt banal, aber ich habe schon so viele enttäuschte Gesichter gesehen. Das Museum ruht am Montag. Der Park ist manchmal trotzdem zugänglich, aber verlassen Sie sich nicht blind drauf, checken Sie vorher kurz die Website oder fragen Sie uns an der Rezeption.
Die Turmbesteigung kostet Kraft. Man kann auf den Nordturm rauf. Der Ausblick über den Niederrhein bis nach Kleve oder rüber nach Xanten ist grandios. Aber: Es sind viele Stufen. Und es ist eng. Wenn Sie also klaustrophobisch veranlagt sind oder das Knie zwickt, lassen Sie es lieber und genießen Sie den Kaffee unten im Museumscafé.
Karten vorbestellen bei Events. Gerade beim Weihnachtsmarkt oder großen Konzerten sind die Tickets schneller weg, als man gucken kann. Wir versuchen als Hotel immer, unseren Gästen zu helfen, aber zaubern können wir auch nicht.
Nach der Kunst: Zurück ins Till-Moyland
So ein Tag im Museum macht müde. Man unterschätzt das „Museumsbein“ – dieses bleierne Gefühl nach zwei Stunden langsamem Gehen auf Parkettboden. Genau dafür sind wir da. Weil wir so nah dran sind, müssen Sie sich nicht erst noch eine halbe Stunde ins Auto setzen.
Viele unserer Gäste machen es so: Vormittags Kultur, dann rüber zu uns. Vielleicht erst mal im Restaurant etwas Vernünftiges essen. Wir legen großen Wert darauf, dass unsere Küche bodenständig aber fein ist – genau das Richtige nach so viel avantgardistischer Kunst.
Wenn Sie geschäftlich hier sind, etwa für eine Tagung oder ein Seminar, nutzen wir das Schloss oft als „Kopf-frei-Programm“. Es gibt kaum einen besseren Ort für ein Brainstorming als einen Spaziergang um den Schlossgraben. Und für Brautpaare? Nun ja, viele heiraten drüben standesamtlich im Zwirnersaal (Königsklasse!) und feiern dann bei uns im großen Saal. Die Logistik ist ein Traum: Die Hochzeitsgesellschaft spaziert einfach rüber durch den Park zur Party.
Schloss Moyland ist ein Erlebnis, das Ecken und Kanten hat. Es ist nicht gefällig, aber es bleibt im Gedächtnis. Und wir sind stolz darauf, die „Basecamp“-Station für diese Entdeckungsreise zu sein. Kommen Sie vorbei, stellen Sie Ihr Gepäck ab und tauchen Sie ein in die Geschichte nebenan.
